
Wenn das Wir fehlt: Einsamkeit verstärkt Misstrauen in politische Institutionen
Anlässlich des Internationalen Tages der Demokratie haben die AWO Nordhessen e.V. und Offen für Vielfalt e.V. gemeinsam zu einem Gespräch über Einsamkeit und ihre Bedeutung für unsere Demokratie eingeladen.
Einsamkeit ist mehr als das Gefühl, allein zu sein. Sie kann die Gesundheit belasten und steht auch mit der Frage im Zusammenhang, wie Menschen an Gesellschaft und Demokratie teilhaben. Doch welche Ursachen hat Einsamkeit? Welche gesellschaftlichen Strukturen können sie begünstigen und was können wir tun, um ihr entgegenzuwirken?
Der Demokratie-Laden von Offen für Vielfalt e.V. war bis auf den letzten Platz ausgebucht. Fachpublikum aus Zivilgesellschaft und Prävention kam zusammen, um mit Dr. Janosch Schobin vom Kompetenznetz Einsamkeit über die gesellschaftlichen Folgen von Einsamkeit und mögliche Handlungsmöglichkeiten zu sprechen. Zu Beginn machten die Referentinnen Luisa Stein (AWO Nordhessen) und Johanna Kindler (Offen für Vielfalt e.V.) deutlich, warum das Thema auch aus demokratischer Perspektive relevant ist. Denn Einsamkeit ist mehr als das bloße Alleinsein.
Dr. Schobin beschrieb sie als eine leidvolle Erfahrung, bei der wichtige soziale Beziehungen als zu schwach, oberflächlich oder fehlend wahrgenommen werden. Bleibt dieser Zustand über längere Zeit bestehen, kann Einsamkeit zu einer erheblichen Belastung für die betroffenen Menschen werden. Im Mittelpunkt des Vortrags stand die Frage, wie Einsamkeit und Demokratie zusammenhängen. Forschungsergebnisse zeigen laut Schobin, dass Menschen mit hoher Einsamkeitsbelastung unter anderem seltener wählen, sich weniger für Politik interessieren und politischen Institutionen und Akteurinnen und Akteuren weniger vertrauen. Gleichzeitig betonte er, dass der Zusammenhang nicht einfach als „Einsamkeit macht undemokratisch“ verstanden werden könne. Die Forschung sei an dieser Stelle noch nicht abgeschlossen.
Schobin stellte die These zur Diskussion, dass nicht nur Einsamkeit die Demokratie beeinflussen kann, sondern umgekehrt auch fehlende Teilhabe und das Versagen sozialer und politischer Strukturen Einsamkeit begünstigen können. In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, wie eng Fragen von sozialem Zusammenhalt, Teilhabe und Demokratie miteinander verbunden sind. Die Veranstaltung bot Raum für Austausch und unterschiedliche Perspektiven – und damit auch für die Frage, wie Gesellschaft dafür sorgen kann, dass Menschen nicht das Gefühl verlieren, dazuzugehören.
Zum Internationalen Tag der Demokratie wurde damit deutlich: Demokratie lebt nicht nur von politischen Institutionen, sondern auch davon, dass Menschen soziale Verbundenheit, Teilhabe und Zugehörigkeit erfahren.