Veröffentlicht am 17. März 2026

Rückenwind für die Demokratie! Offen für Vielfalt e.V. zeichnet 8 Projekte als Demokratie-Verstärker*innen aus.

Allgemein

Die nordhessische Demokratie-Initiative Offen für Vielfalt e.V. hat unmittelbar vor den Kommunalwahlen am Freitag im Regierungspräsidium Kassel acht Projekte für ihr vorbildliches Engagement als Demokratie-Verstärker ausgezeichnet. Jeweils zwei Preise wurden in den drei Kategorien „Teilhabe und Mitmenschlichkeit“, „Demokratie, demokratische Werte und gegen Extremismus“ sowie „Frieden und Völkerverständigung“ vergeben. Die Auszeichnungen gingen an den Verein Respekt e.V. (Kassel), das Projekt „Kaleidoskop der Zeit“ (Kassel), die Initiative Gedenkort Polizeipräsidium Königstor e.V. (Kassel), das Haus der Demokratie in Wesertal (Landkreis Kassel), Welcome in Fulda e.V. (Fulda) und die Initiative Badeschte (Kassel).

Zwei Sonderpreise für Engagement im ländlichen Raum erhielten der VfL Bad Wildungen (Waldeck-Frankenberg) und die Kulturinitiative Gertenbach in Witzenhausen (Werra-Meißner-Kreis).

Mit dem Preisgeld in Höhe von insgesamt 10.000 Euro unterstützt die Demokratie-Initiative Offen für Vielfalt e.V. ehrenamtliches Engagement und fördert den Einsatz für eine weltoffene Zivilgesellschaft. Mit dem Wettbewerb soll zivilgesellschaftliches Engagement für Demokratie und Vielfalt gestärkt werden. Beworben hatten sich Einzelpersonen, Initiativen, Vereine und Bildungsstätten mit mehr als 70 Projekten.

Schirmherr Christoph Lübcke richtet seine Worte an die Gäste

Christoph Lübcke, Sohn von Dr. Walter Lübcke, übernahm zum zweiten Mal die Schirmherrschaft des Wettbewerbs der Demokratie-Verstärker. „Demokratie ist mehr als ein politisches System. Sie ist das Fundament unseres Zusammenlebens. Und Demokratie beginnt im Alltag. Dort, wo Menschen füreinander einstehen und Verantwortung übernehmen,“ so Lübcke. Er richtet sich mit nachdenklichen und gelichzeitig eindringlichen Worten an die 150 Gäste im Saal. „Mein Vater, Walter Lübcke, wurde 2019 von einem Rechtsextremisten ermordet. Er wurde ermordet, weil er sich öffentlich für unsere demokratischen Werte eingesetzt hat. Diese Tat hat unsere Familie tief getroffen. Aber sie hat auch gezeigt, wie viele Menschen in diesem Land bereit sind, für Demokratie aufzustehen und zu zeigen: Wir lassen uns nicht einschüchtern.“, so Christoph Lübcke weiter. Die Gäste der Preisverleihung reagieren mit großen Applaus auf die Worte von Lübcke. Für die Anwesenden war der Mord an dem Regierungspräsidenten eine Zäsur und die Worte seines Sohnes eine Bestärkung für ihr Engagement für Vielfalt und Demokratie.

Die Gewinnerprojekte des Demokratie-Verstärkers 2026

Ein Gewinnerprojekte der Kategorie 1 „Teilhabe, Beteiligung und Mitmenschlichkeit“ ist das Projekt „Jugend-Konflikt-Management“ des Vereins Respekt e.V. Die Laudatio für das Projekt übernahm Jurymitglied Terhas Andezion. Zielgruppe des Projekts sind junge Menschen zwischen 15 und 25 Jahren, die sich in der Gesellschaft für einen respektvollen Umgang miteinander und einen konstruktiven Umgang mit Konflikten einsetzen. Sie selbst sind betroffen von gesellschaftlicher Ausgrenzung aufgrund von Migrationshintergrund, Armut, Behinderung, bildungsfernen Elternhäusern oder belastenden Lebenswelten, in denen sie aufwuchsen.

Das zweite Gewinnerprojekt ist das Projekt „Kaleidoskop der Zeit – Stimmen in Bewegung“. Die Laudatio für das Projekt übernahm Jurymitglied Susanne Simmler. Die Künstlerin Catrine Val schafft einen Raum für diejenigen, die sonst wenig Raum einnehmen. Vor allem migrantische Frauen sind eingeladen ihre Geschichte zu erzählen. Mit einem Portrait welches die Künstlerin macht oder Worten, die Journalistin und Moderatorin Amira El Ahl aufschreibt.

In der Kategorie 2 „Demokratie, demokratische Werte und gegen Extremismus“ wurde der Verein Initiative Gedenkort Polizeipräsidium Königstor e.V. ausgezeichnet. Die Laudatio hielt das Jurymitglied Katrin Kaiser. Der Verein wurde gegründet, um am Ort des ehemaligen Polizeipräsidiums einen Gedenk- und Lernort zu etablieren. Das Ziel des Vereins ist es Bewusstsein für die Vergangenheit zu schaffen, den Opfern des NS-Regimes zu gedenken und gleichzeitig heutigen Opfern von Rechtsextremismus, Diskriminierung und Verfolgung Platz einzuräumen. Der Verein verwandelte die leere Tankstelle angrenzend an das ehemalige Polizeipräsidium in den ORBIT (Offener Raum für Beteiligung, Initiativen und Treffen) um dem Verein einen Ort für Vielfalt und Austausch, Information und Kultur zu geben.

Das zweite Gewinnerprojekt der Kategorie ist Das Haus der Demokratie – Am Mühlenplatz 7. Die Laudatio hielt Jurymitglied Anja Schlicht. Das Gebäude steht in Wesertal an einem demokratiepolitisch hochsensiblen Ort. Der Landkreis Kassel erwarb das Gebäude als Verhinderungskauf, um einen Erwerb durch rechtsextreme Akteure abzuwenden. In unmittelbarer Nähe befindet sich eine „Wohn- und Weiterbildungsstätte“, die als Treffpunkt für rechtsextreme Parteien und Akteure aus dem Reichsbürger und Verschwörungsspektrum dient und von einem Rechtsextremisten betrieben wird. Der Verein möchte das Haus langfristig als demokratischen Ort sichern.

In der Kategorie 3 „Frieden und Völkerverständigung“ wird das Projekt „Welcome In Wohnzimmer“ des Vereins Welcome in Fulda e.V. ausgezeichnet. Die Laudatio hielt Jurymitglied Boris Mijatovic. Die Fuldaer „Welcome Initiative“ begann 2015 als kleine, rein ehrenamtliche Gruppe, die sich mit verschiedenen Projekten für geflüchtete Menschen in der Region engagierte. Aus dieser Überlegung entstand die Idee eines gemeinsamen Kultur- und Begegnungsraums. So wuchs das Projekt Welcome In Wohnzimmer, welches nun ein etablierter, lebendiger, multikultureller Begegnungsraum im Herzen Fuldas ist.

Als zweites Projekt in der Kategorie ist die Initiative Badeschte ausgezeichnet worden. Die Laudatio hielt Jurymitglied Eva Trümper. Die Mitglieder der Initiative Badeschte engagieren sich für EU-Bürger*innen, insbesondere für Menschen mit bulgarischem Hintergrund. Die Initiative Badeschte schließt eine Versorgungslücke durch niedrigschwellige, verlässliche Begleitung, verständliche Erklärung von Verwaltungsabläufen und konkrete Unterstützung bei Anträgen. Dadurch werden Zugänge geschaffen, Rechte wahrnehmbar gemacht und Vertrauen in demokratische Strukturen gestärkt. Die Arbeit ist offen für alle, wirkt über Community-Grenzen hinaus und nutzt Kultur bewusst als verbindendes Element für Begegnung und gegenseitiges Verständnis.

Den Sonderpreis „Ländlicher Raum“ erhielten zwei Projekte in Waldeck-Frankenberg und im Werra-Meißner-Kreis.

Der VFL Bad Wildungen wurde für das Projekt „Boxen ist für alle da“ ausgezeichnet. Die Laudatio hielt Jurymitglied Katrin Walmanns. Das inklusive Boxprojekt lässt Menschen mit Behinderung am Sportgeschehen teilhaben. Die Projektinitiatoren möchten zeigen, dass Teilhabe auch beim Boxsport möglich ist, welcher hohe Anforderungen beim Erlernen stellt. Hier wird den Teilnehmenden ohne Leistungsdruck Spaß und Freude am Boxsport und den vielseitigen Bewegungsabläufen vermittelt. Das Projekt wird von den ehrenamtlich engagierten Trainern der Bauabteilung des VFL Bad Wildungen betreut.

Der zweite Sonderpreis ging an die Kulturinitiative offenes und solidarisches Gertenbach (KiosG). Die Laudatio hielt Jurymitglied Dr. Daniela Sommer. Die Initiative hat sich 2022 gegründet und umfasst 75 Menschen aus Gertenbach und Witzenhausen. Sie engagieren sich vor Ort und möchten aktiv das Zusammenleben in Gertenbach gestalten, in dem sie für einen lebendigen Austausch im Dorf vielfältige Angebote und neue Begegnungsmöglichkeiten schaffen. Dabei stehen sie für Offenheit, Vielfalt und Demokratie und möchten ein Zeichen gegen den Rechtsruck in der Gesellschaft setzen.

Mehr als 130 Personen fanden sich im Dr.-Walter-Lübcke-Saal zusammen und blieben im Anschluss auch für Austausch und Vernetzung. Überrascht wurden die Gäste nicht nur von einem Video mit Bildern ihrer Projekte, sondern auch mit einer szenischen Darstellung einer der Hauptfiguren aus der aktuellen Produktion „Dickes D“ des Staatstheaters Kassel, die neue Late-Night-Show im DemokraTIF. Säuli, die Säule des Grundgesetzes, besuchte die Preisverleihung und lobte die anwesenden Teilnehmer*innen für das ihr Engagement und als Stützen der Demokratie. Musikalisch wurde die Veranstaltung von Maik Garthe begleichet.